Software & Praxis

Lieferkettensoftware auswählen: Worauf es 2026 ankommt

LkSG, CSRD, CBAM und Kundenanfragen brauchen dieselbe Datenbasis. Dieser Leitfaden zeigt, welche Funktionen eine Software mitbringen muss, was sie kostet und welche Fragen du dem Anbieter stellen solltest.

Die Anforderungen aus Lieferkettengesetz, CSRD, CBAM und Kundenfragebögen laufen in einem Punkt zusammen: Unternehmen brauchen belastbare Daten zu Lieferanten, Energie und Emissionen, versioniert und prüfbar. Die Software, die diese Daten hält, ist deshalb eine strategische Entscheidung. Dieser Leitfaden nennt die Kriterien.

Welche Aufgaben die Software abdecken muss

AufgabeWas die Software können muss
CO2-Bilanz Scope 1 und 2Verbräuche je Standort erfassen, Faktoren zuordnen, standort- und marktbasiert rechnen
Scope 315 Kategorien, ausgabenbasierte und mengenbasierte Berechnung, Lieferantendaten einbinden
CBAMZolldaten importieren, graue Emissionen je Warenposition berechnen, Erklärung im Registerformat ausgeben
CSRD / ESRS E1Kennzahlen, Intensitäten, Zielpfade, Prüfpfad für den Wirtschaftsprüfer
LieferantenStammdaten, Selbstauskünfte, Zertifikate, Risikoeinstufung, Dokumentenablage
NachweiseBerichte im ISO-14064-1-Format, Export für Verifizierer, Versionierung

Nicht jedes Unternehmen braucht alles. Ein Importeur von Stahlteilen braucht zuerst CBAM. Ein Zulieferer der Automobilindustrie braucht zuerst eine prüffähige Bilanz und produktbezogene Werte. Die Software sollte modular sein, damit die Kosten mit dem Bedarf wachsen.

Die acht Auswahlkriterien

  1. Emissionsfaktoren: Breite, Aktualität und Herkunft der Datenbank. Gute Lösungen bieten zehntausende Faktoren aus anerkannten Quellen und zeigen je Faktor Quelle und Jahr an.
  2. Standards: Berechnung nach GHG Protocol und ISO 14064-1, Ausgabe im Normformat, CBAM-Logik nach der aktuellen Durchführungsverordnung.
  3. Schnittstellen: Import aus ERP, Energieabrechnungen, Zollsystemen und Tankkarten. Manuelle Eingabe ist bei mehreren Standorten keine Dauerlösung.
  4. Prüfpfad: Jede Zahl muss auf ihre Quelle zurückführbar sein. Änderungen werden protokolliert, alte Bilanzen bleiben unverändert.
  5. Mehrere Standorte und Nutzer: Rollen, Freigaben, Konsolidierung auf Konzernebene.
  6. Live-Daten: Anbindung von Zählern und Energiemonitoring, um Verbräuche unterjährig zu sehen statt einmal im Jahr.
  7. Datenschutz und Hosting: Serverstandort in der EU, DSGVO-konforme Auftragsverarbeitung.
  8. Kosten und Vertrag: Transparente Preise je Modul, Nutzer und Standort, monatliche Kündbarkeit für den Einstieg.
Entscheidende Frage an jeden Anbieter: Kann ich mit dem Export eurer Software eine Verifizierung nach ISO 14064-3 bestehen, ohne Daten nachträglich aufzubereiten?

Preisspannen 2026

LösungTypische KostenFür wen
Einzelmodul, z. B. CBAM29 bis 150 Euro im MonatImporteure mit wenigen Warenpositionen
Bilanz-Software Mittelstand100 bis 800 Euro im MonatUnternehmen mit 1 bis 10 Standorten
Plattform mit Lieferkette und CSRD1.000 bis 5.000 Euro im MonatKonzerne, berichtspflichtige Unternehmen
Berater-Projekt ohne Software5.000 bis 25.000 Euro je Bilanzeinmalige Bilanz, keine laufende Pflege

Der im Beitrag Software vorgestellte CO2 Manager liegt mit dem CBAM-Modul ab 29 Euro im Monat und zusätzlichen Nutzern oder Standorten für je 5 Euro am unteren Ende der Spanne. Für Kommunen gibt es einen kostenfreien Zugang.

Fragen an den Anbieter vor dem Kauf

  • Welche Faktorquellen sind hinterlegt, und wie oft werden sie aktualisiert?
  • Wird der Bericht im Format der ISO 14064-1 ausgegeben?
  • Gibt es ein CBAM-Modul, und erzeugt es die Erklärung im Format des CBAM-Registers?
  • Wie werden Scope-3-Daten von Lieferanten eingesammelt?
  • Wo stehen die Server, und gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
  • Wie läuft der Wechsel, falls ich den Anbieter verlasse? Können alle Daten exportiert werden?
  • Gibt es Referenzen aus meiner Branche?

Einführung in vier Wochen

Woche 1: Standorte, Zähler und Datenquellen erfassen, Systemgrenzen festlegen. Woche 2: Verbräuche des letzten Jahres importieren, Scope 1 und 2 berechnen. Woche 3: Scope-3-Screening über Einkaufsvolumen, größte Kategorien priorisieren. Woche 4: Bericht erzeugen, Lücken dokumentieren, Verifizierung oder Kundenauskunft vorbereiten.

Wer die Einführung so strukturiert, hat nach einem Monat eine erste Bilanz und nach einem Jahr eine prüffähige. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag CO2-Bilanz erstellen.

Häufige Fragen

Was kostet CO2-Software für den Mittelstand?

Einstiegslösungen beginnen bei rund 30 bis 100 Euro im Monat für einzelne Module wie CBAM. Vollständige Plattformen für Bilanz, Reporting und Lieferkette liegen bei einigen hundert bis einigen tausend Euro im Monat, abhängig von Standorten und Nutzern.

Brauche ich getrennte Software für LkSG und CO2-Bilanz?

Nicht zwingend. Beide Themen brauchen eine strukturierte Lieferantenbasis. Einige Anbieter decken Menschenrechtsrisiken und Emissionen in einer Plattform ab, andere konzentrieren sich auf die CO2-Seite und binden Risikodaten per Schnittstelle an.

Kann ich die CO2-Bilanz nicht einfach in Excel machen?

Für ein erstes Screening ja. Für prüffähige Bilanzen, mehrere Standorte, jährliche Faktorupdates und Scope 3 ist Excel fehleranfällig und bei Verifizierungen ein Nachteil, weil Datenherkunft und Versionen schwer nachweisbar sind.

Worauf muss ich bei den Emissionsfaktoren achten?

Die Software sollte anerkannte Quellen wie Umweltbundesamt, DEFRA, ADEME, IPCC und EPA nutzen, die Quelle je Faktor ausweisen und Faktoren jährlich aktualisieren, ohne alte Bilanzen zu verändern.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung. Fristen und Schwellenwerte wurden zum angegebenen Stand recherchiert und werden regelmäßig geprüft.